01 · BEGRIFF
Was ein Trabrennwagen ist
Der Trabrennwagen ist der zweirädrige Wagen, den ein Traber im Rennen zieht. International und zunehmend auch im deutschen Sprachgebrauch heißt er Sulky. Beide Wörter meinen dasselbe Gerät, wobei Trabrennwagen die Funktion benennt und Sulky die Bauform.
Ein Rennsulky ist kompromisslos auf Leichtigkeit gebaut. Es hat keine Federung, keine Bremse und keinen zweiten Sitzplatz. Alles, was nicht dem Zug dient, fehlt. Das unterscheidet den Trabrennwagen von jeder Kutsche und macht ihn zu einem Sportgerät, nicht zu einem Fahrzeug.
02 · AUFBAU
Der Aufbau vom Rad bis zur Gabeldeichsel
Der Aufbau lässt sich an sechs Bauteilen ablesen. Die Gabeldeichsel läuft links und rechts am Pferd vorbei und überträgt den Zug auf das Geschirr. Die Räder laufen auf luftgefüllten Reifen, die die Sandbahn abfedern, ohne dass der Wagen dafür eine Federung braucht. Über den Speichen sitzen Abdeckungen aus Kunststoff, damit ein Pferd im Gedränge nicht hineintritt.
Wofür dieser Aufbau gerechnet ist, ergibt sich aus dem Renntempo. Traber laufen im Rennen 45 bis 50 Kilometer pro Stunde, und der Wagen folgt diesem Tempo über Distanzen zwischen 1.600 und 2.300 Metern. Damit erklären sich beide Bauteile, die von außen wie Zubehör wirken: die Abdeckung über den Speichen, weil ein Gespann im Feld nicht ausweichen kann, und der luftgefüllte Reifen, weil auf der Sandbahn ohne Federung nur er einen harten Stoß aufnimmt.
Der folgende Explorer nimmt diesen Aufbau auseinander. Jeder markierte Punkt am Wagen gehört zu einer Erklärung darunter.
- 1Speichenrad mit Radabdeckung
- Die Räder tragen Abdeckungen aus Kunststoff. Sie sitzen über den Speichen, damit ein Pferd im Gedränge nicht hineintreten kann.
- 2Luftgefüllter Reifen
- Rennsulkys laufen auf luftgefüllten Reifen. Der Reifen federt die Sandbahn ab, ohne dass der Wagen dafür eine Federung braucht.
- 3Gabeldeichsel
- Die Gabeldeichsel läuft links und rechts am Pferd vorbei und überträgt den Zug auf das Geschirr. Sie ist der Grund, warum der Fahrer so tief und so dicht hinter dem Pferd sitzt.
- 4Kurze oder lange Anzen
- Zwei Bauarten sind gebräuchlich. Das Modell Modefight hat kurze Anzen und setzt den Fahrer dicht hinter das Pferd. Longshaft hat längere Anzen und passt zu größeren Pferden mit längerer Schrittlänge.
- 5Sitz für eine Person
- Im Rennsulky sitzt nur der Fahrer. Ein Spritzblech fehlt entweder ganz oder besteht aus Stoff. Der Trainingssulky ist die schwerere Ausführung: er trägt Fahrer und Beifahrer und hat ein festes Spritzblech.
- 6Steigbügel und Gesamtgewicht
- Der Fahrer stützt sich in die Bügel, sein Gewicht hängt damit am selben Rahmen wie der Zug. Rennsulkys werden deshalb in Leichtbauweise gefertigt und wiegen höchstens 30 Kilogramm.
03 · GEWICHT
Das Gewicht eines Rennsulkys
Rennsulkys werden meistens in Leichtbauweise gefertigt und wiegen höchstens 30 Kilogramm. Dieses Gewicht ist eine Obergrenze, kein Zielwert: gebaut wird so leicht, wie es die Belastung im Rennen zulässt.
Dass die 30 Kilogramm als Höchstgewicht formuliert sind und nicht als Vorgabe, ist mehr als eine Formulierung. Eine Obergrenze begrenzt das Gerät nach oben und lässt den Weg nach unten offen, solange die Belastung im Rennen getragen wird. Für den Vergleich zweier Wagen heißt das, dass die Zahl allein wenig aussagt: entscheidend ist, an welcher Stelle Material eingespart wurde. Und dieser Stellen gibt es wenige, denn ohne Federung und ohne Bremse bleiben nur Rahmen, Räder und Sitz.
Das Gewicht des Wagens ist deshalb nur die halbe Rechnung. Dazu kommt der Fahrer, und beides zusammen hängt an derselben Gabeldeichsel. Ein Rennsulky trägt genau eine Person, weshalb die Bauteile auf eine einzige Lastverteilung ausgelegt sind.
Der Trainingssulky verschiebt diese Rechnung nach oben. Er ist für Fahrer und Beifahrer gebaut, trägt ein festes Spritzblech und ist insgesamt schwerer ausgeführt. Wer beide Wagen nebeneinander stehen sieht, erkennt an dieser Ausstattung, welcher für die tägliche Arbeit und welcher für den Renneinsatz gebaut wurde, ohne eine Waage zu benutzen.
| Merkmal | Rennsulky | Trainingssulky |
|---|---|---|
| Sitzplätze | nur der Fahrer | Fahrer und Beifahrer |
| Spritzblech | keines oder aus Stoff | fest |
| Bauweise | Leichtbau, höchstens 30 kg | schwerer |
04 · BAUARTEN
Modefight und Longshaft, die zwei Bauarten des Sulkys
Gebräuchlich sind zwei Modelle, die sich in der Länge der Anzen unterscheiden. Modefight hat kurze Anzen und setzt den Fahrer dicht hinter das Pferd. Longshaft hat längere Anzen und passt zu größeren Pferden mit längerer Schrittlänge.
Die Wahl ist keine Geschmacksfrage. Sie folgt dem Pferd: ein Traber mit raumgreifendem Gang braucht Platz nach hinten, sonst kommt der Wagen dem Bewegungsablauf in die Quere.
Am übrigen Aufbau ändert die Modellwahl nichts. Gabeldeichsel, luftgefüllte Reifen und der eine Sitz bleiben in beiden Fällen dieselben Bauteile. Verschieden ist allein die Geometrie des Gespanns, also der Abstand zwischen Fahrer und Pferd.
Sichtbar wird der Unterschied vor allem im Rennen. Sitzt der Fahrer bei kurzen Anzen dicht hinter dem Pferd, verlagert sich sein Gewicht näher an die Hinterhand, was die Balance des Gespanns verändert. Longshaft schafft dagegen Abstand und damit Raum für eine ausgreifende Hinterhandbewegung. Der Aufbau des Wagens ist in beiden Fällen derselbe, nur die Länge zwischen Sitz und Pferd verschiebt sich.
05 · ANSCHAFFUNG
Ein Sulky kaufen: worauf die Bauform hinweist
Wer ein Sulky kaufen möchte, entscheidet zuerst über den Einsatz und erst danach über das Modell. Für das Training ist die schwerere Ausführung mit zwei Sitzplätzen und festem Spritzblech gedacht, fürs Rennen die leichte mit einem Sitz.
Auch Ponygespanne fahren Sulkys, entsprechend kleiner dimensioniert. Wer gebrauchte Sulkys kaufen will, prüft daher zuerst, für welche Pferdegröße und welche Anzenlänge der Wagen gebaut wurde. Mehr zum Pferd hinter dem Wagen steht auf der Seite zum Traber als Pferderasse, und wo gefahren wird, zeigt die Übersicht der Trabrennbahnen.
Wer einen gebrauchten Wagen prüft, schaut zuerst auf Räder und Deichsel. Beide tragen die gesamte Last und lassen sich schlechter ersetzen als ein Sitzpolster.
Aus der Bauform lässt sich außerdem ablesen, wofür ein Wagen gedacht war. Ein festes Spritzblech und ein zweiter Sitzplatz weisen auf das Training hin, das Fehlen von beidem auf den Renneinsatz. Die Anzenlänge verrät die Pferdegröße, für die gebaut wurde, und eine kleinere Dimensionierung den Einsatz am Ponygespann. Wer diese drei Merkmale zusammenliest, weiß vor jeder Preisfrage, ob ein Wagen überhaupt zum eigenen Pferd passt.
06 · FAQ
Häufige Fragen zum Trabrennwagen
Wie viel wiegt ein Rennsulky?
Höchstens 30 Kilogramm. Gefertigt wird meistens in Leichtbauweise.
Wozu dienen die Kunststoffabdeckungen an den Rädern?
Sie liegen über den Speichen und verhindern, dass ein Pferd im Gedränge in das Rad tritt.
Was ist der Unterschied zwischen Modefight und Longshaft?
Die Anzenlänge. Modefight hat kurze Anzen und setzt den Fahrer dicht hinter das Pferd, Longshaft hat längere Anzen für größere Pferde mit längerer Schrittlänge.
Hat ein Trabrennwagen eine Federung?
Nein. Die Dämpfung übernehmen die luftgefüllten Reifen.
Können zwei Personen in einem Sulky sitzen?
Im Rennsulky nicht, dort sitzt nur der Fahrer. Der Trainingssulky ist für Fahrer und Beifahrer gebaut und hat ein festes Spritzblech.
Heißt das Gerät Sulky oder Trabrennwagen?
Beides bezeichnet denselben Wagen. Sulky ist die international übliche Bezeichnung der Bauform.