01 · ZWECK
Warum der Trabrennsport mit Kürzeln arbeitet
Ein Rennprogramm muss auf wenig Platz viel sagen. Zu jedem Starter gehören Geschlecht, Farbe, Alter und Herkunft des Pferdes, dazu die Bedingungen des Rennens: wer fahren darf, aus welcher Startart gestartet wird und auf welchem Belag gelaufen wird. Ausgeschrieben wäre das eine halbe Seite pro Pferd. Deshalb hat sich eine Kurzschrift eingebürgert, die in Rennzeitungen, Programmheften und Nennungslisten seit Jahrzehnten weitgehend gleich aussieht.
Verbindlich ist diese Kurzschrift allerdings nicht überall gleich. Es gibt europaweite Regelwerke und daneben die nationalen Reglemente, und die können sich in Einzelheiten unterscheiden. Ein Kürzel, das in Deutschland gebräuchlich ist, kann in Österreich anders geschrieben werden oder eine leicht andere Bedeutung tragen. Die folgenden Listen geben deshalb den im deutschsprachigen Raum gängigen Stand wieder und nicht den Wortlaut einer einzelnen Rennordnung.
Wer die Kurzschrift einmal gelesen hat, versteht ein Programm schneller als über die Fließtexte darin. Die Reihenfolge ist fast immer dieselbe: zuerst das Pferd, dann das Rennen.
Zu sehen ist diese Notation an drei Stellen. Im Programmheft eines Renntages steht sie neben jedem Starter, in der Rennzeitung verdichtet sie ganze Felder auf wenige Zeilen, und in der Ausschreibung eines Rennens legt sie vorab fest, wer überhaupt nennen darf. Die dritte Stelle ist die wichtigste, denn dort entscheidet ein einzelner Buchstabe darüber, ob ein Pferd oder ein Fahrer zugelassen ist. Ein Amateurfahrer, der ein Rennen mit dem Kürzel für Berufsfahrer liest, spart sich die Nennung. Die folgenden Abschnitte gehen die beiden Blöcke in dieser Reihenfolge durch: zuerst die Beschreibung des Pferdes, dann die Bedingungen des Rennens.
02 · PFERD
Wie eine Nennung das Pferd beschreibt
Eine Nennung nennt drei Eigenschaften in fester Folge: die Nationalität der Eintragung, das Geschlecht und die Farbe. Die Nationalität sagt nicht, wo ein Pferd geboren wurde, sondern in welchem Verband es eingetragen ist. Das ist der Grund, warum bei internationalen Rennen dieselbe Abstammung mit unterschiedlichen Länderkürzeln auftauchen kann.
Beim Geschlecht wird zwischen Stute, Hengst und Wallach unterschieden, weil alle drei im selben Rennen starten können und die Unterscheidung für die Zucht gelesen wird. Bei der Farbe ist die Kurzschrift feiner als die Alltagssprache: braun und dunkelbraun sind zwei Einträge, ebenso Fuchs und Dunkelfuchs.
Zusammengesetzt liest sich das kompakt. dt. St. 4 ist eine vierjährige, in Deutschland eingetragene Stute, öst. dbr. H. ein dunkelbrauner Hengst aus österreichischer Eintragung.
| Kürzel | Bedeutung |
|---|---|
| dt. | deutsch eingetragen |
| öst. | österreichisch eingetragen |
| St. | Stute |
| H. | Hengst |
| W. | Wallach |
| br. | braun |
| dbr. | dunkelbraun |
| F. | Fuchs |
| df. | Dunkelfuchs |
| R. | Rappe |
| Sch. | Schimmel |
03 · ALTER
Das Alter zählt ab dem 1. Januar, nicht ab dem Geburtstag
Die Altersangabe hinter einer Nennung folgt einer eigenen Rechnung. Maßgeblich ist nicht das Geburtsdatum, sondern der 1. Januar des Geburtsjahres und danach jeder weitere Jahreswechsel. Ein im November geborenes Fohlen gilt am 1. Januar darauf als einjährig, obwohl es wenige Wochen alt ist.
Das klingt nach einer Formalie, entscheidet aber über die Teilnahme. Rennen sind nach Jahrgängen ausgeschrieben, und ein Pferd wechselt seine Altersklasse zum Jahreswechsel, nicht an seinem Geburtstag. Wer ein Programm liest, vergleicht deshalb immer Jahrgang gegen Ausschreibung: ein Rennen für Dreijährige und Ältere schließt jeden aus, der nach dieser Rechnung noch zweijährig ist.
Für die Leistungsbeurteilung wird das Alter zusammen mit der Kilometerzeit gelesen. Was diese Zeit aussagt und wie sie notiert wird, steht auf der Seite zum Traber als Pferderasse.
04 · RENNEN
Die Kürzel in der Rennausschreibung
Der zweite Block einer Ausschreibung beschreibt nicht das Pferd, sondern die Bedingungen. Er beantwortet vier Fragen: welcher Jahrgang darf starten, wer darf fahren, wie wird gestartet und worauf wird gelaufen. Dazu kommen Angaben zur Zulassung ausländischer Pferde und der Nennungsschluss.
Die Zahlenkürzel sind die einfachsten. 3+ steht für ein Rennen für Dreijährige und Ältere, 5+ entsprechend für Fünfjährige und Ältere. Alles Weitere sind Buchstaben, und die tragen mehr Bedeutung als ihre Länge vermuten lässt: H und FH unterscheiden ein Handikap von einem freien Handikap, Nat und Int entscheiden darüber, ob im Ausland eingetragene Pferde zugelassen sind.
| Kürzel | Bedeutung |
|---|---|
| 3+ | Rennen für Dreijährige und Ältere |
| 5+ | Rennen für Fünfjährige und Ältere |
| A | Amateurfahren |
| L | Rennen für Berufsfahrer und Lehrlinge |
| kF | keine Fahrererlaubnis |
| Auto | Start hinter dem Startwagen |
| Band | Start aus den Bändern |
| G | Rennen auf der Grasbahn |
| H | Handikap |
| FH | freies Handikap |
| Nat | nationales Rennen, nur im Inland eingetragene Pferde |
| Int | internationales Rennen, auch im Ausland eingetragene Pferde |
| R | Trabreiten |
| P | Privatrennen |
| Z | Zuchtrennen |
| N | Nennungsschluss |
| ST | Starterangabe |
05 · LESEN
Startart, Belag und Fahrerklasse aus dem Programm lesen
Drei der Kürzel verändern das Rennen sichtbar. Auto und Band stehen für zwei völlig verschiedene Felder: hinter dem Startwagen werden alle Pferde gemeinsam freigegeben, beim Bänderstart treten Leistungsklassen mit Vorgaben in Metern gegeneinander an. Wie diese Startarten ablaufen, ist auf der Startseite unter dem Ablauf eines Trabrennens beschrieben.
G markiert die Grasbahn und ist die Ausnahme, denn gefahren wird überwiegend auf Sand. Welche Bahnen welchen Belag haben, steht in der Übersicht der Trabrennbahnen. Für die Wettbetrachtung ist der Belag kein Nebenschauplatz: er verändert die Zeiten, und damit den Vergleich zweier Kilometerzeiten.
Bei den Fahrerklassen trennt A das Amateurfahren von L, dem Rennen für Berufsfahrer und Lehrlinge. R fällt aus der Reihe, weil es kein Rennen mit Wagen bezeichnet: beim Trabreiten wird das Pferd im Trab geritten, ohne Trabrennwagen. Wer die Kürzel für eine Wette liest, findet die Wettarten selbst bei den Wettarten im Trabrennsport.
06 · FAQ
Häufige Fragen zu den Abkürzungen im Trabrennsport
Was bedeutet dbr. in einer Nennung?
Dunkelbraun. Die Kurzschrift unterscheidet die Farben feiner als die Alltagssprache: neben br. für braun steht dbr. für dunkelbraun, neben F. für Fuchs steht df. für Dunkelfuchs.
Wie wird das Alter eines Trabers gezählt?
Ab dem 1. Januar des Geburtsjahres und danach zu jedem Jahreswechsel, nicht ab dem Geburtstag. Ein spät im Jahr geborenes Fohlen gilt am 1. Januar darauf bereits als einjährig.
Was steht hinter dem Kürzel A in einer Ausschreibung?
Amateurfahren. Das Gegenstück ist L für Rennen der Berufsfahrer und Lehrlinge; kF weist ein Rennen ohne Fahrererlaubnis aus.
Warum bezeichnet R kein Rennen mit Sulky?
R steht für Trabreiten. Das Pferd wird im Trab geritten, es zieht keinen Wagen. Alle anderen Kürzel dieser Listen beschreiben Rennen mit Sulky.
Wofür steht FH im Rennprogramm?
Für ein freies Handikap. Vom Handikap H unterscheidet es sich in der Art, wie die Vorgaben zustande kommen; beide Formen sollen Leistungsunterschiede im Feld ausgleichen.
Gelten die Abkürzungen in Deutschland und Österreich gleich?
Weitgehend, aber nicht garantiert. Neben europaweiten Regelwerken bestehen nationale Reglemente, die in Einzelheiten abweichen können. Im Zweifel gilt die Ausschreibung des jeweiligen Veranstalters.