01 · GRUNDLAGE
Was ein Trabrennen ist
Ein Trabrennen ist eine Variante des Pferderennsports, bei der ein Pferd einen leichten zweirädrigen Wagen über eine festgelegte Distanz zieht. Erlaubt ist dabei ausschließlich die Gangart Trab. Genau diese Einschränkung trennt den Sport vom Galopprennen: nicht das höchste Tempo gewinnt, sondern das höchste Tempo im Trab.
Weil der Wagen keine Zugabe ist, sondern die Bedingung, wird der Sport häufig als Pferderennen mit Wagen beschrieben. Wer nach Pferderennen mit Wagen sucht, meint in aller Regel ein Trabrennen und nicht eine Kutschenfahrt.
Gefahren wird auf Distanzen von 1.600, 1.760, 1.900, 2.100 und 2.300 Metern. Die Leistung eines Pferdes wird nicht in der Gesamtzeit angegeben, sondern als Kilometerzeit: dem Durchschnittstempo je 1.000 Meter, notiert in der Form 1:20,2.
02 · REGEL
Die Gangart entscheidet im Trabrennsport
Der Trab ist ein Zweitakt: das Pferd setzt die diagonal gegenüberliegenden Beine gleichzeitig auf. Diese Symmetrie erlaubt ein sehr gleichmäßiges Tempo über lange Distanzen. Im Rennen erreichen Traber 45 bis 50 Kilometer pro Stunde.
Verfällt ein Pferd in den Galopp, wird es disqualifiziert. Die Fachsprache nennt das springen, anspringen oder einspringen. Dasselbe gilt für den Dreischlag und für den Passgang, bei dem die gleichseitigen statt der diagonalen Beinpaare zusammen aufsetzen.
Für den Zuschauer ist das der eigentliche Reiz: ein Feld, das sich über die Zielgerade schiebt, kann sich in Sekunden neu sortieren, weil ein führendes Pferd aus dem Takt gerät. Der Trabrennsport bewertet damit nicht nur Schnelligkeit, sondern Beherrschung unter Belastung.
| Gangart | Takt | Im Rennen |
|---|---|---|
| Trab | 2 | die einzige erlaubte Gangart |
| Passgang | 2 | Disqualifikation |
| Dreischlag | 3 | Disqualifikation |
| Galopp | 3 | Disqualifikation |
03 · ABLAUF
Der Ablauf eines Rennens vom Start bis ins Ziel
Der Ablauf beginnt mit der Startart, und die ist im Trabrennsport nicht einheitlich. Beim Bänderstart treten Pferde unterschiedlicher Leistungsklassen gegeneinander an und bekommen Vorgaben in Metern zugeteilt: das stärkere Pferd startet weiter hinten. Beim Autostart fährt ein Fahrzeug mit zwei ausgebreiteten Gitterflügeln vor dem Feld her und gibt die Bahn frei, sobald das Tempo stimmt. Beim fliegenden Start starten die Pferde ohne Fahrzeug auf Kommando.
Danach entscheidet die Spurwahl. An der Innenbande ist der Weg am kürzesten, dort ist es aber auch am vollsten. Wer außen fährt, hat freie Bahn und den längeren Weg. Der weitere Ablauf ist ein Abwägen zwischen Deckung im Windschatten und dem rechtzeitigen Ausscheren vor der Zielgeraden.
Wer sich für die Fakten hinter dem Sport interessiert, findet bei interessanten Fakten eine englischsprachige Übersicht zum Harness Racing.
| Startart | Kennzeichen |
|---|---|
| Bänderstart | Vorgaben in Metern nach Leistungsklasse |
| Autostart | Fahrzeug mit zwei ausgebreiteten Gitterflügeln fährt vor dem Feld her |
| Fliegender Start | Start auf Kommando, ohne Fahrzeug |
04 · GERÄT
Das Sulky, der Trabrennwagen hinter dem Pferd
Der Trabrennwagen, im Sport meist Sulky genannt, wird meistens in Leichtbauweise gefertigt und wiegt höchstens 30 Kilogramm. Er läuft auf luftgefüllten Reifen und hat eine Gabeldeichsel, die links und rechts am Pferd vorbeiläuft. Kunststoffabdeckungen über den Rädern verhindern, dass ein Pferd im Gedränge in die Speichen tritt.
Im Rennsulky sitzt nur der Fahrer. Ein Spritzblech fehlt entweder ganz oder besteht aus Stoff. Ein Sulky für das Training ist schwerer gebaut, trägt Fahrer und Beifahrer und hat ein festes Spritzblech. Wie ein Trabrennwagen im Detail aufgebaut ist, zeigt der interaktive Aufbau des Trabrennwagens.
05 · ORTE
Wo Trabrennen heute in Deutschland gefahren werden
Wer wissen will, wo Trabrennen heute in Deutschland gefahren werden, findet die Bahnen in drei Ballungen: im Rheinland und Ruhrgebiet, in Bayern und um Berlin. Die älteste durchgehend bespielte Trabrennbahn dieser Aufzählung ist Mönchengladbach, wo im August 1893 die ersten Rennveranstaltungen auf den Nierswiesen stattfanden.
In München entstand die Trabrennbahn Daglfing 1902, gegründet vom Münchner Trabrenn- und Zuchtverein. Ihre äußere Bahn misst 1.000 Meter. In Berlin trägt Mariendorf seit 1913 das Deutsche Traber-Derby aus. Österreich unterscheidet die Bahnen nach Klassen: eine A-Bahn misst mindestens 1.000 Meter, eine B-Bahn mindestens 800.
06 · URSPRUNG
Die frühen Anfänge: vom Streitwagen zum Rennen im Trab
Ein Pferd, das einen leichten Wagen zieht und dabei um die schnellste Zeit läuft, ist keine Erfindung des modernen Rennbetriebs. Die Vorläufer reichen bis in die Antike. Überlieferte Aufzeichnungen aus Assyrien nennen für die Zeit um 1500 vor Christus eigene Ställe und bezahlte Trainer für Streitwagenpferde. Eingesetzt wurden die Gespanne zunächst im Krieg, später bei der Jagd und schließlich im Wettkampf. Homers Bericht über das Wagenrennen in der Ilias beschreibt dieselbe Grundidee: zwei Räder, ein Gespann, eine gemessene Strecke.
Im römischen Reich wurde daraus ein organisierter Sport mit Verwaltung. Über die Blutlinien der Pferde wurden öffentliche Aufzeichnungen geführt, herausragende Tiere erhielten Grabsteine, auf denen ihre Rekorde festgehalten waren; Funde nennen Pferde mit mehr als tausend Siegen. Gefahren wurde im Circus Maximus, der in der Senke zwischen Palatin und Aventin lag. Unter Augustus, von 27 vor bis 14 nach Christus, wurden bis zu zwölf Rennen am Tag ausgetragen, unter den Flaviern zwischen 69 und 96 bis zu hundert von Tagesanbruch bis Sonnenuntergang, wofür die einzelnen Läufe verkürzt wurden.
Bemerkenswert an dieser Frühform ist, wie viel von ihrem Apparat der heutige Sport noch kennt: bezahlte Rennbeamte, feste Startvorrichtungen, Streit über Ergebnisse und Vorwürfe manipulierter Leistung sind alle für die römischen Rennen belegt.
| Zeit | Station |
|---|---|
| um 1500 v. Chr. | Ställe und Trainer für Streitwagenpferde in Assyrien |
| Antike | Wagenrennen im Circus Maximus zwischen Palatin und Aventin |
| um 1750 | der Norfolk-Trotter entsteht in England als Rasse |
| 1777 | erste „Goldene Peitsche“ in Soestdijk |
| um 1840 | organisierter Trabrennsport in Neuengland |
| 1849 | Geburtsjahr des Zuchthengstes Hambletonian 10 |
| 1871 | Gründung des Grand Circuit, später 23 Bahnen |
| 1879 | Einführung des Standardbred in den USA |
07 · GESCHICHTE
Der Trabrennsport in seiner jüngeren Geschichte
Die Linie vom antiken Wagenrennen zum heutigen Trabrennen verläuft nicht gerade. Der Sport in seiner erkennbar modernen Form entsteht im 18. Jahrhundert an mehreren Orten gleichzeitig. In England bildet sich um 1750 der Norfolk-Trotter als Rasse heraus, ein Pferd, das für lange Strecken im Trab gezogen wurde. 1777 wird in Soestdijk erstmals die „Goldene Peitsche“ gefahren, das bekannteste Trabrennen der Niederlande. Etwa zur selben Zeit beginnt Graf Orlow auf seinem russischen Gestüt eine eigene Zuchtlinie; von seinem Hengst Barss stammt der Orlow-Traber ab, der zum Grundstock der russischen Traberzucht wurde.
Den größten Sprung macht der Sport in Nordamerika. Um 1840 ist der Trabrennsport in Neuengland organisiert, 1871 entsteht der Grand Circuit, zunächst unter dem Namen Quadrilateral Trotting Combination und mit vier Bahnen, später mit dreiundzwanzig. 1879 wird in den Vereinigten Staaten das Standardbred eingeführt, und der Name ist ein Programm: als Standard galt eine Zeit von zwei Minuten dreißig Sekunden für eine Meile. Wer diesen Wert unterbot, war zuchtbuchfähig. Damit wird Leistung erstmals als Zeitmaß definiert und nicht als Platzierung, ein Prinzip, das die heutige Kilometerzeit fortführt.
Die Zucht selbst wird von einzelnen Hengsten geprägt. Hambletonian 10, geboren 1849, gilt als der wirkungsmächtigste von ihnen; über seinen Urgroßvater American Eclipse führt die Linie in das amerikanische Vollblut hinein. Parallel dazu entwickelt sich der Pacer, dessen Gangart nicht der Trab ist: sein Erbe verbindet den um 1850 verschwundenen Narragansett-Pacer mit dem Canuck aus dem französischsprachigen Kanada. Während der Traber im Osten der USA seine Basis hatte, verbreitete sich der Pacer vor allem im Mittleren Westen und im Süden, in Ohio, Indiana, Kentucky und Tennessee. Welche Rassen heute ein Trabrennen laufen, steht auf der Seite zum Traber als Pferderasse; die Kurzschrift, mit der Programme diese Herkunft notieren, sammelt das Glossar der Begriffe und Abkürzungen.
08 · HERKUNFT
Woher der Name dieser Seite stammt
Der Domainname geht auf einen deutschen Zusammenschluss von Fahrerinnen im Trabrennsport zurück. Über Jahre führte dieser Kreis einen eigenen Rennkalender, ein Vereinsarchiv und eine Chronik des Damenfahrens. Amateurfahrerinnen starteten lange in eigenen Wertungen.
09 · FAQ
Häufige Fragen zum Trabrennen
Was passiert, wenn ein Pferd in den Galopp fällt?
Es wird disqualifiziert. Fachsprachlich heißt das springen, anspringen oder einspringen. Auch Dreischlag und Passgang führen zur Disqualifikation.
Welche Distanzen werden gefahren?
Die Rennen sind auf 1.600, 1.760, 1.900, 2.100 und 2.300 Meter ausgelegt.
Was bedeutet die Kilometerzeit?
Sie gibt das Durchschnittstempo je 1.000 Meter an, notiert etwa als 1:20,2. Damit lassen sich Leistungen über unterschiedliche Distanzen vergleichen.
Wie schwer darf ein Sulky sein?
Ein Rennsulky wiegt höchstens 30 Kilogramm und wird meistens in Leichtbauweise gefertigt.
Worin unterscheiden sich Bänderstart und Autostart?
Beim Bänderstart bekommen Pferde je nach Leistungsklasse Vorgaben in Metern. Beim Autostart fährt ein Fahrzeug mit zwei ausgebreiteten Gitterflügeln vor dem Feld her.
Welches Pferd läuft ein Trabrennen?
Ein Traber, meist ein American Standardbred oder ein Trotteur Français. Ein Artikel zum Trabrennsport ordnet den Sport historisch ein.
